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In Achim-Bierden ist durch den Kiesabbau für die Autobahn ein künstlicher See entstanden. Dieser wurde lange Zeit als Badesee und Grillplatz genutzt und ein ehemaliger Bundesbauminister wollte dort unbedingt eine Hochhaussiedlung ähnlich wie die Neue Vahr entstehen lassen. 1994 entdeckte man beim Landkreis Verden die Schönheit des Gebietes und stellte es unter Naturschutz. Dabei hatten leider die Grundeigentümer das Nachsehen, denn der Landkreis kaufte ihnen ihre Grundstücke nicht ab. Statt teuren Baulandes direkt an der Stadtgrenze zu Bremen besitzen sie praktisch unverkäufliche Grundstücke in einem Naturschutzgebiet, die nicht wirtschaftlich genutzt werden dürfen.
Dort wurden blauflügelige Ödlandschrecken - die bis zu 29 Millimeter große, häufigste Heuschreckenart Europas - und Sandtrockenrasen - der typische Bewuchs auf sandigen Böden - unter Schutz gestellt. Doch dem zuständigen Fachdienst beim Landkreis gelang es mittlerweile, dort soviel Schützenswertes zu entdecken, dass der Ellisee mittlerweile bis zur höchsten Naturschutzstufe in Europa "Flora, Fauna, Habitat" (FFH) aufgestiegen ist. Dieser Fachdienst lässt das Gebiet immer wieder fachgerecht entkusseln, damit dort kein Wäldchen entsteht, sondern die geschützten Sandtrockenrasen erhalten bleiben.
Leider hat der Naturschutz aber auch zu Auseinandersetzungen mit Bürgern geführt, die den Ellisee weiter als Badesee und Erholungsgebiet nutzen wollen. Immer wieder müssen Naturschutzbehörde und Polizei kontrollieren, immer wieder kommt es zu Verstößen, immer wieder werden Bußgelder verhängt und immer wieder werden sogar Zäune zerschnitten, um sich Zugang zu dem Gebiet zu verschaffen.
Die Anwohner des Ellisees haben sich daher dafür eingesetzt, unsere Bürger die geschützte Natur erleben zu lassen und das Naturschutzgebiet auf festgelegten Naturerlebnispfaden begehbar zu machen. Sie wollten sich an der Pflege des Gebiets beteiligen und forderten die Aufstellung von zusätzlichen Hinweistafeln, um die Bedeutung des Naturschutzes deutlich zu machen. Der von der FDP beantragte Rundweg ging dem Kreistag zu weit, der SPD-Antrag fand nicht einmal die Mehrheit der eigenen Parteimitglieder, aber Landrat Peter Bohlmann brachte in der Kreistagssitzung vom 4. Juli 2008 einen sinnvollen Antrag der Kreisverwaltung ein, der mit großer Mehrheit angenommen wurde: Auf dem Flurstück 442, das der Stadt Achim gehört, soll ein zusätzlicher Weg eingerichtet werden, gegen den keinerlei Bedenken des Naturschutzes bestehen. Außerdem soll die Stadt Achim ein Wegekonzept mit den Grundeigentümern absprechen und entsprechende Anträge bei der Naturschutzbehörde stellen.
Das ist über ein halbes Jahr her. Geschehen ist jedoch nichts. Ich werde deshalb bei Bürgermeister Kellner nachfragen. Doch vielleicht ist ja unsere Stadt gar nicht schuld. Versuchen womöglich Grundbesitzer, denen durch den Naturschutz hohe Summen entgangen sind, oder gar Umweltschützer, die unserer Naturschutzbehörde nicht trauen, einen Kreistagsbeschluss zu hintertreiben?
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